Aktuelles

Am 5. März 2026 präsentieren Gina Pietsch und Bardo Henning:

Ernst Busch und Hedwig Kiesler? Die Wege von Ernst Busch und Hedwig Kiesler kreuzten sich 1931 in Alexis Granowskys Film Die Koffer des Herrn O.F.. In der fulminanten Filmsatire auf die Mehrung von Kapital in Wirtschaftskrisen ist nichts, wie es scheint. Kiesler spielte die Tochter des Bürgermeisters und Busch sang aus dem Off nach Erich Kästners Text:  Was Ihr geseh’n war nur ein Märchen, nur ein Spiel. Ein Spiel ist beider Leben nicht geworden.

Die Jüdin Hedwig Kiesler geht nach Amerika, macht in Hollywood Karriere. Der Krieg, den die Nazis begonnen hatten und in den nach langem Zögern auch Amerika eintrat, lässt sie neu mit ihrem auch außergewöhnlichen Intellekt nachdenken über das, was sie in Ansätzen schon erfunden hatte, den Einsatz der Frequenzsprungtechnik zur störungsfreien Funksteuerung von Torpedos.

In Zusammenarbeit mit dem Komponisten Georg Antheil entwickelte sie etwas, das wenig mit Kunst, aber mit dem Drang, etwas gegen den von Deutschland angezettelten Krieg zu tun hat:  das abhör- und störungssichere „Lamarr-Antheil-Torpedo“.

Lange Zeit war die Lamarr vergessen. Gina Pietsch und Bardo Henning bringen sie wieder ins Rampenlicht. Karten über info(„ät“)ernst-busch.org oder bei https://zimmer16.com/

Ernst Busch in Spanien. Eine Forschungsgruppe und ein CD-Projekt der Ernst Busch – Gesellschaft

Aus den Discos de las Brigadas Internacionales, Barcelona 1937/38.   

Staatsbibliothek zu Berlin, Archiv Spanischer Bürgerkrieg Christof Kugler

Nur 16 Monate weilte Ernst Busch 1937/1938 in Spanien. Im Schutze der Interbrigaden trat er an der Front, in Lazaretten, Schulen und im spanischen Rundfunk auf. Sein in fünf Auflagen herausgegebenes legendäres „Spanienliederbuch“ (Canciones de las Brigadas Internacionales) und die in Barcelona aufgenommenen „Spanienplatten“ (Discos de las Brigadas Internacionales) sind beredte Zeugnisse seines Engagements auf Seiten der Verteidiger der spanischen Republik. Die spanischen Ereignisse haben Busch ein Leben lang beschäftigt. Immer wieder brachte er neue Aufnahmen mit den sogenannten Spanienliedern heraus. 1940, 1946/47 und ab 1960 bis zum Ende seiner Schaffenskraft. Eine Forschungsgruppe um Carola Schramm, Peter Konopatsch und Christof Kugler beschäftigt sich schon seit längerem mit dem Entstehungskontext dieser Aufnahmen.

Die Ernst Busch – Gesellschaft will dazu eine CD mit einem umfangreichen Booklet herausgeben. Es soll 2026 erscheinen.

 Siehe auch Peter Konopatsch in https://ernst-busch.org/mitteilungen/

Spenden auf das Konto der Ernst Busch – Gesellschaft sind willkommen!

GLS Bank Bochum – IBAN: DE42 4306 0967 1138 4652 00 Kennwort: Ernst Busch in Spanien

Spanienschallplatten unter AlliiertenMitteilungen der Alfred-Klahr-Gesellschaft, Wien, Nr. 4/2025

Schallplatten mit Ernst Busch aus dem Jahr 1946. Staatsbibliothek zu Berlin,
Archiv Spanischer Bürgerkrieg von Christof Kugler

„Meine heroische Zeitbegann am 27. April 1945 bis 1953“, schrieb Ernst Busch in seinen nachgelassenen Notizen und bezog sich dabei auf seine Befreiung aus dem Zuchthaus Brandenburg durch die Rote Armee im April 1945. Eine neue Zeit und eine neue Schaffensperiode lagen nun vor ihm. Zur Wahrheit gehört aber auch das Ende dieser Notiz, die Jahreszahl 1953.

Was veranlasste ihn, diesen Zeitrahmen zu setzen und was hatte sich in den Jahren nach der Befreiung vom Faschismus in der Sowjetischen Besatzungszone und der frühen DDR ereignet? Und was haben die ersten Schallplatten im Jahr 1946 mit Ernst Busch zu tun? 

Carola Schramm geht diesen Fragen in der neuen Ausgabe des Mitteilungsblatts der Wiener Alfred-Klahr-Gesellschaft nach.
LEsen Sie gern hier weiter: https://klahrgesellschaft.at/Mitteilungen/Schramm_4_25.pdf

Bitte beachten Sie: „Busch singt“ können Sie auch sehr gern direkt bei uns bestellen unter: info(„ät“)ernst-busch.org Vielen Dank!


„Ernst Busch singt“ – Konrad Wolfs letzter Film auf DVD
Ein Leben und ein halbes Jahrhundert
Ralf Hohmann, Unsere Zeit vom 13. September 2024

Gedreht auf 35 Millimeter, dem meistgenutzten Kinofilmformat vor dem Einsetzen der Digitalisierung, zum Großteil in Schwarz-Weiß, erzählt dieser Film in sechs Teilen, die zusammengefügt als Gesamtwerk überzeugen, aber auch allein jeweils für sich stehen, die Geschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Verbunden sind sie durch das Leben des Sängers, Schauspielers und Agitators Ernst Busch, dessen Rezitationen, Lieder und Kommentare zum Zeitgeschehen mal aus dem Off, mal mit optischer Präsenz den im besten Sinne roten Faden liefern. Zu hören sind Texte aus der Feder von Bertolt Brecht, Erich Weinert, Hanns Eisler, Johannes R. Becher und Paul Dessau.

Geboren in Kiel am 22. Januar 1900, spiegelt Buschs Leben das 20. Jahrhundert: Vom Matrosenaufstand in seiner Geburtsstadt, den Arbeiterkämpfen im Berlin der 1920er Jahre, dem aufkommenden Faschismus, Flucht, dem Spanischen Krieg, der Verhaftung wegen Hochverrats und Verbreitung kommunistischer Propaganda engagiert sich Busch, der mehrfach nur knapp dem Tode entrann, ab 1945 mit all seiner Kraft für das bessere Deutschland. Ein Blatt vor den Mund hat er auch in der DDR nicht genommen, mitunter mit scharfem Wort, aber dabei immer das Vorankommen des Sozialismus im Auge.

Trotzdem ist „Busch singt“ kein nur biografischer Film über Busch, aber auch kein klassischer Dokumentarfilm über die Zeitläufte der von zwei Weltkriegen und dem Spanischen Krieg (1936 – 1939) geprägten Jahre. Viel eher eine chronologische Collage vom Kampf gegen Krieg, Faschismus und Elend durch alle Niederlagen hindurch. Nicht geschichtsoberlehrerhaft – das würde man Busch ohnehin nicht abnehmen – oder mit erhobenem Zeigefinger von einem der weiß, wo’s langgeht.

Die sechs Teile „Aurora-Morgenrot“, „Nur auf die Minute kommt es an“, „1935 oder Das Fass der Pandora“, „In Spanien“ „Ein Toter auf Urlaub“ und „Und weil der Mensch ein Mensch ist“ wurden 1981/82 unter der künstlerischen Leitung des Regisseurs Konrad Wolf vom Fernsehen der DDR (in Zusammenarbeit mit der DEFA Gruppe 67 und der Akademie der Künste) produziert und am 21. November 1982 auf der Internationalen Dokumentar- und Kunstfilmwoche in Leipzig uraufgeführt.

Es war Konrad Wolfs letzter Film, die Uraufführung erlebte er nicht mehr. 1925 im württembergischen Hechingen als Sohn des Arztes und Schriftstellers Friedrich Wolf geboren, 1933 Emigration, ab 1934 in der So­wjet­union, trat Wolf 17-jährig in die Rote Armee ein. 1945, sowjetischer Leutnant inzwischen, nahm er an der Schlacht um Berlin teil, war kurze Zeit in Bernau bei Berlin, das ihn 1975 zum Ehrenbürger machte, als Stadtkommandant eingesetzt. Wolfs Film „Ich war neunzehn“ aus dem Jahr 1968 erzählt von seiner Kriegserfahrung. Ab 1949 absolvierte er ein Regiestudium an der Moskauer Filmhochschule. 1954/55 entstand sein erster Film („Einmal ist keinmal“), fortan war er DEFA-Regisseur. Vier Jahre später räumte sein Film „Sterne“ einen Preis bei den Filmfestspielen in Cannes ab, sehr zum hämischen Missfallen des „Spiegel“, der am 26. Mai 1959 schrieb: „Die Staatsfilmgesellschaft Defa, die mit beachtlichem Fleiß und allerlei Tricks bemüht ist, internationale Anerkennung zu erlangen, vermochte sich mit dem Film nicht nur Zutritt zu den Filmfestspielen in Cannes zu erschmuggeln. Sie wurde sogar, zum Entsetzen der bundesdeutschen Cannes-Fahrer, mit einem Sonderpreis entlohnt, wohingegen Westdeutschlands Traum-Industrielle, die mit dem Praliné-Soldaten-Schwank ‚Helden‘ sowie der Fahnenflucht-Story ‚Kriegsgericht‘ aufwarteten, undekoriert nach Hause fahren mussten.“ Konrad Wolf war Mitglied des ZK der SED, seit 1965 Präsident der Akademie der Künste. Der Tod ereilte ihn, 56-jährig, am 7. März 1982. Die Leben von Wolf und Busch hatte sich bereits 1936 im Moskauer Exil gekreuzt, beide hatten Rollen im Spielfilm „Kämpfer“ (Regie Gustav von Wangenheim). Bei den nun erstmals auf CD ausgekoppelten Filmteilen von „Busch singt“ („1935 oder Das Fass der Pandora“ und „Ein Toter auf Urlaub“) führte Konrad Wolf selbst Regie. In „Ein Toter auf Urlaub“, geht Wolf filmisch den Spuren Buschs in den Internierungslagern Südfrankreich nach, tritt auch selbst vor die Kamera. Die Verurteilung Buschs in Moabit, das Zuchthaus Brandenburg, aus dem Busch Ende April 1945 von Sowjetsoldaten befreit wird, die Rückkehr nach Berlin am 1. Mai 1945 sind weitere Stationen.

Die Ernst-Busch-Gesellschaft, die Friedrich-Wolf-Gesellschaft und die DEFA-Stiftung veröffentlichen den Film digital aufbereitet in Spielfilmlänge auf CD. Die Begleittexte gehen über ein Booklet hinaus, die Busch- und Wolf-Experten Jürgen Schebera, Carola Schramm, Carmen Bärwaldt, Hans-Eckardt Wenzel steuern aussagekräftige und lesenswerte Einschätzungen zu Konrad Wolf und Ernst Busch als politisch Persönlichkeiten bei.

CD und Buch kommen genau zur richtigen Zeit. Das Jahr 1935 – vier Jahre vor dem Beginn des großen Krieges öffnete sich das Fass der Pandora und ließ einen Blick zu auf all den Unrat, die Übel und das Leid, das kommen sollte. 2024 – von den Kriegsertüchtigern hören wir, dass es noch fünf, vielleicht sechs Jahre dauert, bis es wieder soweit ist. In Minute 4 des Films singt Ernst Busch:

„Kennst du das Land, wo die Kanonen blühn? Dort reift die Freiheit nicht. Dort bleibt sie grün. Was man auch baut – es werden stets Kasernen. Kennst du das Land, wo die Kanonen blühn? Du kennst es nicht? Du wirst es kennenlernen.“

Sollte er wirklich noch einmal recht behalten?


Zum Herunterladen:

Faltblatt zu ‚Busch singt‘

Stand der Aktualisierung 25.01.2026, Änderungen vorbehalten, alle Angaben ohne Gewähr.

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